Sicherheit scheitert selten an Technik

H. Schünemann

Ein Freund erwähnte am Wochenende eine Situation aus seiner Mannschaft. Ein Spieler meldete sich wegen Beschwerden vom Training ab, er habe Migräne. Parallel veröffentlichte er auf Snapchat Fotos aus einer Bar mit Drinks und Essen. Das zeigt ein grundlegendes Muster. Viele Menschen erkennen nicht, welche Informationen sie mit alltäglichen Posts offenlegen.

Genau dieses Muster begegnet mir regelmäßig in der Ausbildung im Personenschutz. Teams planen sorgfältig Routen und Ausweichmöglichkeiten. Gleichzeitig übersehen sie oft die entscheidende Variable, nämlich die Schutzperson selbst. Vor allem Jugendliche und junge Erwachsene posten aus Gewohnheit permanent Inhalte, Fotos, Clips und Standortdaten sowie erkennbare Umgebungsmerkmale. Damit unterlaufen sie Sicherheitsmaßnahmen ohne jede Absicht, einfach nur, weil ihnen die Tragweite ihres Onlineverhaltens nicht bewusst ist.

Für die Sicherheitsarbeit ist das ein zentrales Problem. Ein operatives Konzept ist immer nur so stabil wie das Verhalten der beteiligten Personen. Eine einzige spontane Veröffentlichung kann Muster sichtbar machen und Bewegungen nachvollziehbar machen. Somit werden geplante Maßnahmen nutzlos und zwar nicht, weil das Konzept schlecht wäre, sondern weil der Informationsfluss unkontrolliert bleibt.

Der Vergleich mit dem sportlichen Umfeld zeigt klar, das Thema ist universell. Sicherheitsrisiken entstehen nicht erst durch einen externen Angreifer. Sie entstehen durch mangelndes Bewusstsein, durch Routine und durch fehlende Sensibilität für die Wirkung des eigenen Handelns.

Deshalb müssen Aufklärung und Verhaltenstraining immer integraler Bestandteil von Sicherheitskonzepten sein. Wer Risiken versteht, der handelt anders. Wer Risiken nicht versteht, der erzeugt Schwachstellen. Sicherheit beginnt nicht mit Technik, Sicherheit beginnt mit Bewusstsein.

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